Kreisförderer

Kardangelenk-Kettenfördersysteme für die industrielle Produktion

Kreisförderer (auch Kettenförderer, Einschienenförderer oder Circular Conveyor genannt) sind die Grundform der Kardangelenk-Fördertechnik. Eine endlos umlaufende Kardangelenkkette transportiert Werkstücke kontinuierlich durch Produktionslinien – horizontal, vertikal und in beliebigen Kurvenradien. Kreisförderer zeichnen sich durch ihre robuste Konstruktion, geringen Wartungsaufwand und hohe Zuverlässigkeit auch unter extremen Umgebungsbedingungen aus.

Funktionsprinzip

Beim Kreisförderer läuft eine Kardangelenkkette endlos in einer geschlossenen Laufschiene um. Die Werkstücke werden über Gehänge oder Traversen direkt an der Kette befestigt und bewegen sich mit konstanter Geschwindigkeit durch die Anlage. Alle Werkstücke bewegen sich synchron – es gibt keine individuelle Steuerung einzelner Lastaufnahmemittel.

Die Laufschiene kann in zwei Ausführungen geliefert werden: Mit Schlitz (Schienenöffnung) nach unten als Standardausführung, oder mit Schlitz nach oben für Clean-Bedingungen, bei denen kein Abrieb auf die Produkte fallen darf. Durch das niedrige Eigengewicht und die einfache Streckenführung ist die Montage unkompliziert und eine nachträgliche Erweiterung der Anlage problemlos möglich.

Kettenteilungen und Auslegung

Kreisförderer sind in verschiedenen Kettenteilungen erhältlich. Gängige Teilungen sind 180 mm, 270 mm und 300 mm, wobei die Kettenteilung zugleich die kleinste mögliche Aufhängeteilung darstellt. Je nach Hersteller und Systemauslegung können auch weitere Teilungen (z. B. 400 mm oder 500 mm) verfügbar sein.

Die zulässige Belastung pro Aufhängepunkt, der Profilquerschnitt und die erreichbaren Kurvenradien variieren je nach Hersteller und Systemtyp. Die Auslegung erfolgt anhand der Anlagenkonfiguration unter Berücksichtigung von Streckenlänge, Steigungen, Anzahl der Kurven und Gesamtbelastung. Für die korrekte Dimensionierung empfiehlt sich die Rücksprache mit dem jeweiligen Anlagenhersteller.

Hauptkomponenten

Ein Kreisförderer besteht aus folgenden Standardbaugruppen:

  • Kardangelenkkette mit Trag- und Führungsrollen – laufruhig und verschleißarm durch großdimensionierte Rollen
  • Gerade Schienen und Horizontalbögen in verschiedenen Radien – modularer Aufbau für flexible Streckenführung
  • Vertikalbögen für Höhenänderungen im Streckenverlauf – Steigungen und Gefälle bis zu 90° möglich
  • Antriebseinheit mit Motor, Getriebe und überwachter Rutschkupplung – Raupenantrieb für ruckfreien Eingriff
  • Spannstation für gleichmäßige Kettenvorspannung – als Spindel- oder Pneumatikspannstation
  • Automatische Kettenschmierstation mit feindosiertem Öl-Luft-Gemisch
  • Wartungsschiene/Inspektionsstück für die Instandhaltung

Schienenprofile und Materialien

Die Laufschienen bestehen aus verschleißarmen Spezialstahlprofilen. Je nach Anwendungsbereich kommen unterschiedliche Profile zum Einsatz – von leichten Profilen für geringe Lasten bis zu verstärkten Heavy-Duty-Profilen für schwere Werkstücke.

Für Anlagen in aggressiver Umgebung (chemische Vorbehandlung, Feuchtbereiche) werden korrosionsgeschützte oder edelstahlbeschichtete Schienenprofile eingesetzt. Die Schienenstöße werden verschraubt, was eine einfache Montage und späteren Umbau ermöglicht.

Drehgehänge und Sonderausführungen

Für spezielle Anwendungen stehen verschiedene Drehgehänge-Varianten zur Verfügung, die eine kontrollierte Rotation der Werkstücke während des Transports ermöglichen. Drehbare Werkstückaufnahmen mit arretierbarer Positionierung werden beispielsweise in Emaillieranlagen eingesetzt, wo Werkstücke beim Transport fixiert sein müssen, aber in Reinigungszonen rotieren sollen.

Für besonders lange Teile können teilautomatisierte Be- und Entladestationen eingesetzt werden. Für extreme Lasten werden Steckketten-Kreisförderer verwendet, die sich durch ihre besonders robuste Bauweise und hohe Kettenzugkräfte auszeichnen.

Temperaturbeständigkeit

Kreisförderer sind für den Einsatz in Hochtemperaturbereichen ausgelegt. In Einbrennöfen, Trocknungsanlagen und Aushärtestrecken arbeiten sie zuverlässig bei Temperaturen, die je nach Ausführung von Standardbetrieb bis weit über 200 °C reichen können. Die eingesetzten Schmierstoffe, Kettenmaterialien und Schienenprofile müssen auf die jeweilige Ofentemperatur abgestimmt sein.

Die Temperaturbeständigkeit ist ein entscheidender Vorteil gegenüber elektronisch gesteuerten Systemen wie Elektrohängebahnen, die in Hochtemperaturbereichen an ihre Grenzen stoßen.

Typische Einsatzbereiche

Kreisförderer werden überall dort eingesetzt, wo ein kontinuierlicher, gleichmäßiger Materialfluss bei hohen Stückzahlen benötigt wird:

  • Pulver- und Nasslackieranlagen – Beschichtung von Metall-, Kunststoff- und Verbundteilen
  • Vorbehandlungsanlagen – Entfettung, Phosphatierung, Chromatierung
  • Trocknungs- und Einbrennöfen – Aushärtung von Beschichtungen bei hohen Temperaturen
  • Kühl- und Abblaszonen – kontrollierte Abkühlung nach thermischen Prozessen
  • Emaillierwerke – Transport durch Brennöfen und Beschichtungsstationen
  • Montage- und Verpackungslinien – kontinuierlicher Transport durch Fertigungszellen
  • Lebensmittel- und Schlachthauslogistik – hygienische Ausführungen in Edelstahl
  • Landmaschinen- und Baumaschinenherstellung – Transport schwerer Großteile

Abgrenzung zum Power & Free System

Der wesentliche Unterschied zum Power & Free System: Beim Kreisförderer bewegen sich alle Werkstücke mit gleicher Geschwindigkeit und können nicht individuell angehalten oder umgeleitet werden. Dies macht den Kreisförderer zur idealen Lösung für Großserienproduktion mit gleichmäßigem Takt, während Power & Free Systeme für flexible Einzelsteuerung mit Puffer- und Sortierfunktion eingesetzt werden.

Bei vielen Herstellern nutzt der Kreisförderer die gleichen bewährten Komponenten (Kardangelenkkette, Schienenprofile, Antriebe) wie das Power & Free System – ein Vorteil bei der Ersatzteilversorgung.

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